Der Winter ist vorüber, und die ersten warmen Tage des Jahres lassen die Hoffnung auf eine gute Ernte wachsen. In den Schankstuben und Höfen der Ostmark spricht man jedoch längst nicht nur über Saatgut und Vieh. Ein Thema beherrscht die Gespräche: Im Sommer des Jahres 1026 wird König Angus in Moorburg einen Hoftag abhalten. Adelige, Händler und Gesandte aus nah und fern werden erwartet. Man munkelt, dass dort bereits die Weichen für den kommenden Allthing gestellt werden sollen. Manche hoffen sogar auf Besucher aus den alten Völkern – Elfen aus den verborgenen Wäldern oder Zwerge aus den südlichen Bergen, die angeblich den Silberabbau wieder aufgenommen haben.
Im Schankraum des Gasthauses "Zum durstigen Rappen" sitzt eine Runde Bauern nach getaner Feldarbeit beisammen. Zwischen Krügen mit dünnem Met erhebt sich Alfred von Steinfeld, Besitzer eines stattlichen Hofes mit zwei Ochsengespannen.
„Wenn die Zwerge wirklich nach Moorburg kommen, werde ich meine Kornüberschüsse dort verkaufen. Vielleicht lässt sich dieses Jahr endlich gutes Silber verdienen.“
Gertrut von Lindenau schnaubt verächtlich.
„Silber? Über welche Straßen willst du dein Getreide bringen? Die Wege sind voller Räuber, und seit Monaten treiben sich wieder Untote in den Sümpfen herum. Und auf See warten Piraten auf jede unbewaffnete Knorre. Glaubst du etwa, der König schickt dir seine Leibgarde als Eskorte? Der braucht selbst jeden Silberpfennig.“
Ein kurzes Schweigen legt sich über den Schankraum.
Schließlich hebt Alfred seinen Krug.
„Mag sein. Aber ich werde nicht warten, bis andere handeln. Ich ziehe nach Moorburg - und wer Mut hat, kann sich mir anschließen.“
Nur wenige Wochen später erreicht auch Grypho von Buchenberge, Großmeister des Ordens vom Weißen Wolf zu Westhafen, Moorburg. Der Hoftag will vorbereitet werden, denn in wenigen Wochen müssen Gesandte empfangen werden und die Sicherheit der Region muss gewährleistet sein.
Bei einem kellerkalten Bier berichtet ihm Sieghelm, der Seneschall der Burg, zunächst ausführlich über Ernteerträge, Vorräte und den erwarteten Besucherandrang. Erst dann wird seine Stimme ernster.
„Es gibt etwas, das Euch mehr interessieren dürfte als volle Kornspeicher.“
Er beugt sich vor.
„Der Weg durch das Finenmoor ist zur Mittagszeit nicht mehr passierbar. Seit jener Nacht, in der die Dienerschaft des Hofalchemisten Kaiser Richards dort zu Tode gefoltert wurde, spukt es in den Sümpfen. Manche halten sie für ruhelose Geister, andere für etwas weitaus Schlimmeres.“
Der Seneschall nimmt einen tiefen Schluck.
„Ein paar Bauernburschen wollten den Geschichten nachgehen. Nur einer kam zurück. Er berichtete, zwei dunkle Schatten seien über seine Gefährten hergefallen. Keinerlei Waffen hätten geholfen. Seine Freunde brachen schreiend zusammen - und er selbst floh, so schnell ihn seine Beine trugen. Als er hier ankam, war er kaum noch bei Sinnen.“
Sieghelm sieht den Großmeister ernst an.
„Der Hoftag rückt näher. Händler, Pilger und Gesandte müssen diesen Weg nutzen können. Wenn die Geister dort wirklich umgehen, wird niemand mehr sicher nach Moorburg gelangen.“
Sieghelm blickte einen Moment schweigend in seinen Bierkrug, ehe er wieder aufsah.
„Heute Morgen ist ein Schiff aus Wietland eingelaufen. An Bord sollen sich allerlei Glücksritter, Söldner, Abenteurer und andere Wagemutige befinden – Menschen, die ihr Glück in der Ostmark suchen oder sich beim bevorstehenden Hoftag Ruhm und Lohn versprechen.“
Er legte die Hände auf den Tisch.
„Vielleicht hat Tyr selbst sie genau zu diesem Zeitpunkt hierher geführt. Wenn diese Leute wirklich so erfahren sind, wie man sagt, könnten sie sich der Sache annehmen.“
Dann stellt er die entscheidende Frage: „Was meint Ihr, Großmeister? Sind unter diesen Neuankömmlingen Männer und Frauen, die mutig - oder töricht - genug sind, den Geistern des Finenmoors entgegenzutreten und den Weg nach Moorburg bis zum Hoftag wieder sicher zu machen? Viel Zeit ist nicht mehr….Zudem - es gibt auch noch andere Dinge um die sich gekümmert werden muss. Und es ist unklar wie schwer diese Probleme zu lösen sind."